Historie des Hotelgebäudes

Giebel des Hotelgebäudes Teil einer Stuckdecke Wandpaneel-Malerei mit Metamorphosen des Ovid Fresko Deckenmalerei und Stuck

Das Haus Alfstraße 38 gehört zu den ältesten heute noch erhaltenen Häusern aus der ersten Stadtentwicklungsphase der Hansestadt Lübeck.

Nach ihrer ersten Gründung im Jahr 1143 bestand die junge Stadt zunächst aus Holzgebäuden. Ausnahmen waren einige Steinbauten wie Dom, Stadtmauer und Kirchen, die seit etwa 1180 errichtet wurden. Nach dem großen Stadtbrand im Jahr 1276 wurden Steinhäuser vom Rat der Stadt vorgeschrieben.

Die Alfstraße in Lübeck

Das historische Gebäude steht auf dem Eckgrundstück Alfstraße / An der Untertrave und wurde somit in prägnanter Lage genau an der Ecke einer der fünf Straßenzüge der 1159 endgültig gegründeten Fernhändlerstadt errichtet. 1305 wird es erstmals schriftlich erwähnt.

Die Alfstraße zählt zu einer der ältesten Straßen der Stadtanlage von 1159. Ab dem 13. Jahrhundert ist sie in unterschiedlichen Schreibweisen dokumentiert, seit 1789 trägt sie den heutigen Namen Alfstraße.

Durch die Ecklage des Hauses ist ein ungewöhnlicher Grundriss entstanden: nicht die Giebelfront ist die eigentliche Hauptfassade, sondern die lange Traufseite. Der Flügelbau des Hauses wurde auch nicht in Längsrichtung des Hauses angefügt, sondern an die nördliche Traufseite. Heute befinden sich im Flügel zwei unserer exklusiven Suiten.

Anno 1216

Geprägt wird das Äußere des Hauses durch die Hauptbauzeit um 1600, insbesondere durch das Renaissance-Formsteinportal am Eingang des Hauses. Archäologische Forschungen ergaben jedoch, dass die Ursprünge dieses Hauses bis weit ins frühe 13. Jahrhundert zurückgehen. So konnte mittels dendrochronologischer und Thermolumineszenzuntersuchungen an Deckenbalken des Kellers und am Mauerwerk auf “um 1216 +/ – 27″ sehr genau datiert werden.

Das Haus gehört zum Typ des Saalgeschosshauses mit ehemals zwei gleich hohen Geschossen und einem ebenerdigen zweischiffigen Keller. Neben dem Haus Koberg 2 und Schüsselbuden 6 ist das historische Gebäude Alfstraße 38 eines der drei nachgewiesenen Saalgeschosshäuser in Lübeck.

Vermutlich waren hier im 13. Jahrhundert Kaufleute tätig und man nimmt an, dass es aufgrund seiner Lage und Größe als Gildehaus diente. Es liegt direkt am damaligen Fernhandelshafen und hat eine Grundfläche von annähernd 300 m². Laut überlieferten Stadtbucheinträgen ist das Haus seit 1284 in Privatbesitz und seine Eigentümer sind ab 1305 nachweisbar.

Ab 1300 erfolgte ein Umbau zum damals typischen Dielenhaus mit Flügelanbau. Das Hochparterre wurde zum geräumigen Dielengeschoss umgestaltet. Die Kellerdecke und das Dach wurden bei diesem Umbau nicht verändert.

Renaissance und Rokoko

Um 1564 fanden erneut größere Umbauten statt. Die Binnenaufteilung der Kellerräume wurde neu gestaltet, zudem der gewaltige Dachstuhl mit seinen sechs Geschossen und dem noch heute erhaltenen Windenrad errichtet. Auch das Äußere des Hauses wurde von dem damals vorherrschenden Renaissance-Stil beeinflusst. Über der geschnitzen grünen Rokoko-Haustür mit Oberlicht befindet sich ein Formsteinportal, auf dem Bogensims ein außergewöhnlich aufwändig gestalteter Sandsteindekor aus der Zeit um 1650 – einzigartig in Lübeck.

Im 17. Jahrhunderts erfolgte wieder ein Umbau, bei dem die Raumaufteilung geändert wurde. Hervorzuheben ist der zum Hafen ausgerichtet prächtige Saal, dessen Wandgestaltung im Rokokostil in Stucco-Lustro-Technik ausgeführt wurde, zur damaligen Zeit teurer als Marmor. Dieser Saal ist heute unsere Suite 2.

Barock

Der letzte gravierende Umbau des heutigen Hotels Anno 1216 erfolgte im späten 18. Jahrhundert. Barocke Veränderungen finden sich insbesondere an den Fenstern – sie wurden Ende des 18. Jahrhunderts vergrößert und das Haus erhielt einen  Voluntenschweifgiebel.
Um 1939 wurde der Schweifgiebel “re-lübeckisiert” und als breiter Stufengiebel rekonstruiert. So, wie er auch heute noch zu sehen ist.

Helios, Aurora und Selene als Deckenmalerei

Um 1980/81 wurden die Stuckdecken des Erdgeschosses frei gelegt, bei dem man auf eine Deckenmalerei stieß, von der ca. 15-20 % erhalten war. Mit Hilfe des Denkmalschutzes konnte die Malerei während des Umbaus zum Hotel vollständig restauriert werden. Das Fresko, welches sich in unserer Suite 3 befindet, zeigt eine Darstellung von Helios, dem Sonnengott und seinem Wagen, seiner Schwester Aurora, Göttin der Morgenröte, und der Mondgöttin Selene. Die Verbindung von Deckenmalerei und Stuck ist in Lübeck einzigartig. Ein Abguss der Stuckdecke befindet sich im St. Annen Museum.

Metamorphosen des Ovid auf Wandpaneelen

Im Obergeschoss des Seitenflügels wurde 1981 eine ornamentale Wandmalerei aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts freigelegt. Es handelt sich dabei um illusionistische Würfelmuster. Solche Muster waren ein sehr beliebtes Dekorationsmotiv der späten Gotik und der Renaissance. Im Jahr 1989 wurden desweiteren 24 Wandpaneele freigelegt und restauriert. Ursprünglich waren es 30. Sie haben eine Größe von 53×58 cm und stellen Motive aus der Metamorphose des Ovid dar. Vorbild dafür war eine Pariser Ovid-Ausgabe aus dem Jahre 1676. Zum Schutz wurden sie während des Umbau zum Hotel mit einem schmalen Metallrahmen und entspiegeltem Glas versehen. Die Wandmalerei und die Wandpaneele befinden sich in unserer Suite 4.

Über diese Wandpaneel-Malerei mit Metamorphosen des Ovid in der Alfstraße gibt es bei www.wandmalerei-luebeck.de eine Abhandlung als PDF-Datei zum weiteren Vertiefen in die Historie.

Instandsetzung des Hauses in den 1980er Jahren

In den 1980er Jahren erfolgte eine tiefgreifende Instandsetzung des Hauses. Die abgesunkene NW-Ecke des Flügels musste gesichert und verfestigt werden. 1985 wurde das Dachwerk erneuert. Es erhielt ein Stahlkorsett, das das historische Gebäude wieder zum Stehen brachte. Auch die Deckenbalken wurden 1985 um ca. 30 cm angehoben, um geeignete Raumhöhen für künftige Nutzungen herzustellen. Die historischen Deckenbalken wurden weitestgehend erhalten. In unserem Einzelzimmer Nr. 5 ist die originale Deckenhöhe zu Anschauungszwecken erhalten geblieben.

Heute ein historisches Hotel

Im Jahr 2010 begannen wir das geschichtsträchtige und besondere Haus in Lübeck zu dem historischen Hotel Anno 1216 umzugestalten.
Das Hotel heute: → Bildergalerie

Quelle:
Lebenslauf eines Hauses, Dagmar Hemmie
(Kleine Hefte zur Stadtgeschichte Heft 20)

Dieses Buch ist im Hotel für 10,00 € erhältlich.